Der Krieg ist vorbei.
Danach gibt es nur noch sehr junge und sehr alte Menschen. Starters und Enders.
Das Leben der 16-jährigen Callie ist hart. Sie muss sich nun ganz alleine um ihren kleinen Bruder Tyler kümmern, denn der Krieg hat ihnen alles genommen. Ihre Eltern. Ihr Zuhause. Ihre Rechte.
Die Geschwister versuchen nun sich Tag für Tag auf der Straße durchzuschlagen, immer mit der Angst im Nacken, geschnappt und in eines der staatlichen Kinderheime verschleppt zu werden.
Dazu kommt, dass Tyler krank ist und Medikamente braucht. Für Medikamente jedoch, braucht man Geld, das Callie nicht hat. Völlig verzweifelt und aus großer Sorge um ihren Bruder, geht sie einen Vertrag mit einem ominösen Unternehmen ein- der Body Bank. Der Deal besteht darin, dass Callie ihren Körper an einen Ender vermietet, der diesen dann- computergesteuert- für 3 Buchungen über einen gewissen Zeitraum übernimmt. Callie hat kein gutes Gefühl bei dieser Sache, aber die großzügige Bezahlung lässt sie doch einwilligen. Die ersten zwei Buchungen verlaufen ohne Komplikationen.
Bei der Letzten jedoch, läuft etwas schief...
Meine Meinung:
Starters von Lissa Price bekommt von mir gute 4 von 5 möglichen Ahornblätter.
Das erste was mir nach dem Lesen von Starters durch den Kopf schoss, war: "Wow! Tolle Idee!"
Lissa Price hat sich wirklich Gedanken gemacht. Es gibt eigentlich kaum Geschichten, die es noch nicht gab, oder die zumindest gewisse Ähnlichkeiten mit anderen aufwiesen. Ich lehne mich jetzt einfach mal aus dem Fenster, und behaupte, so eine Geschichte, in der Form, gab es noch nicht! Die Grundidee ist nicht neu und uns allen bestens bekannt, denn sie ist aus dem wirklichen, heutigen Leben gegriffen. Sie behandelt ein Thema, dass wie ein riesiger, schwarzer Schwarm Krähen über uns allen kreist, und vor dem viele mit gesenktem Kopf die Augen verschließen. Ihr wollt wissen wovon ich spreche?
Zuvor möchte ich noch etwas zu dem sprachlichen Stil sagen. Die Autorin schreibt wirklich sehr spannend und fesselnd und lässt ihre Kapitel gekonnt so enden, dass ihre Leser nicht nach Ende eines Kapitels beruhigt schlafen können. Man will immer wissen wie es weiter geht und ruscht so leicht in das altbekannte und von mir persönlich verfluchte "Nur-noch-ein-Kapitel-dann-ist-aber-Schluss"- Debakel.
So verdient das Buch auf jeden Fall die Bezeichnung: Pageturner!
Kommen wir nun zur Geschichte. Die Bevölkerungsschicht mittleren Alters, wurde völlig ausgelöscht. Im Buch wird darauf hingewiesen, dass sich dieser "Trend"- immer mehr alte- immer weniger junge- schon lange vor Beginn des Krieges angekündigt hat. Jetzt müsste es eigentlich bei den meisten von euch klingeln. Richtig.
Lissa Price hat sich ein Thema ausgesucht, welches aktueller nicht sein könnte- der Demografische Wandel. Es ist kein Geheimnis, dass die Politiker in großer Sorge sind, denn wer soll sich um all die alten Menschen kümmern? Wer zahlt in die Rentenversicherung? Das sind die Hauptsorgen der Regierung.
Die Autorin hat es geschafft, ein so heikles Thema, hervorrangend in ihre Geschichte einzuflechten und die klischeehaften Gegensätze neu aufzurollen.
reich oder arm
schön oder häßlich
alt oder jung
leben im Überfluss oder leben am Existenzminimum
Während des Lesens, überliefen mich regelrechte Schauer, denn so eine Zukunft, wie die Autorin sie hier beschreibt, ist gar nicht so abwegig.
Viele denken sich vielleicht, dass so etwas nicht möglich ist. Nicht hier. Nicht in der heutigen Zeit.
So haben schon viele gedacht. Man muss nur mal genauer hinsehen.
Es herrscht bereits Krieg. Nicht bei uns, aber in anderen Teilen der Welt.
Die Bevölkerung wird immer älter. Die Menschen bekommen immer weniger Kinder.
Die Technologie schreitet ohne Halten voran. Bald wird es nichts mehr geben, was nicht mit Hilfe eines Computers möglich ist.Vielleicht auch die Übernahme eines Körpers? Im Zeitalter der Roboterforschung doch ein Klacks, oder?
Das gesellschaftliche Idealbild strebt Schönheit an. Jugend. Gesundheit. Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, was Menschen bereit sind zu tun, um dieses Idealbild zu erreichen. Wie ihr merkt, hat mich das Buch ganz schön zum Rotieren gebracht. So etwas zeichnet ein gutes Buch- meiner Meinung nach- erst aus.
Die Hauptprotagonistin Callie, hat mir sehr gut gefallen. Ich konnte mich sofort in sie hineinversetzen und ich habe permanent mit ihr mitgefiebert. Das Gefühl des Kontrollverlustes und die Frage: "Was machen die mit meinem Körper?", empfand ich als sehr authentisch.
Der einzige Kritikpunkt gilt leider dem Ende. Womit das Buch sonst glänzen konnte, fehlte mir leider dort-die Würze. Das ging mir alles ein wenig zu schnell und flachte dann einfach zu sehr in "Normalität" ab. Nichts desto trotz, kann ich es kaum erwarten den zweiten Teil zu lesen.
Ich empfehle dieses Buch allen, die Lust haben eine Geschichte zu lesen, die ehrlich ist, ungeschönt und die dennoch Raum für Hoffnung lässt.
Fazit: every end has a start
Es geht weiter....
"Enders" erscheint im November 2012 bei Ivi.








